Bericht über die Veranstaltungen zum Gedenken an die Opfer von "Euthanasie" und Zwangssterilisation

Zum ersten Mal organisierten in diesem Jahr die Verbände, die sich im Kontaktgespräch Psychiatrie zusammengeschlossen haben, ein Begleitprogramm zur Gedenkveranstaltung.

Texte

Dieses Programm stand unter dem Motto "Verstehen und Gedenken - Psychiatrie im Nationalsozialismus - Lernen aus der Geschichte?"

Den Auftakt bildete der Freitag Nachmittag mit einem Vortrag von Dr. Thomas Beddies zur Geschichte von Zwangssterilisation aus heutiger Sicht sowie einem Vortrag von Dr. Michael Wunder zur Frage, wie wir mit der Geschichte für die Zukunft lernen können.

Da Dorothea Buck, die Ehrenvorsitzende des Bundesverbandes Psychiatrie-Erfahrener, aus gesundheitlichen Gründen nicht persönlich erscheinen konnte, berichtete sie in einer kurzen Filmsequenz von ihren persönlichen Erfahrungen in und mit der Psychiatrie zur Zeit des Nationalsozialismus. In einer anschließenden Live-Telefonschaltung diskutierte Dorothea  Buck mit dem Beauftragten der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, Hubert Hüppe, darüber, was geschehen muss, um die Erinnerung an die Medizinverbrechen wach zu halten und wie diese Erfahrungen dazu beitragen können, das psychiatrische Versorgungssystem weiter zu entwickeln.

 

Am Abend wurde der Film "Himmel und mehr" von Alexandra Pohlmeier über und mit Dorothea Buck gezeigt und am  Samstag Vormittag fand für Interessierte eine Führung durch die Ausstellung "Totgeschwiegen" in der früheren Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik statt.

 

Am Samstag Nachmittag, zur eigentlichen Gedenkveranstaltung, sprachen erneut Hubert Hüppe und Günter Saathoff von der Stiftung Erinnern, Verantwortung, Zukunft. Günter Saathoff ging u.a. der Fragestellung nach, wieso die Opfer von Zwangssterilisation und "Euthanasie" bisher nicht als rassisch Verfolgte im Sinne des Bundesentschädigungsgesetzes (BEG) anerkannt sind und inwiefern diese Auffassung heute noch als angemessen gelten kann. Nach seiner Ansicht hat die Forschung der letzten Jahre deutlich gezeigt, dass Zwangssterilisation und Patientenmorde aus  der Logik der NS-Ideologie heraus aus rassischen Motiven begannen wurden. Um in einer angemessenen Würdigung der Opfer endlich weiter zu kommen, plädierte Saathoff dafür, dass der Bundestag mit einem eigenen Gesetzesakt, den Opfern von Zwangsterilisation und Euthanasie den Status der rassisch Verfolgten im Sinne des BEG zubilligt.

Zum Schluss seines Vortrages wies Saathoff darauf hin, dass genau und sorgsam überlegt werden müsste, welche materiellen Verbesserungen heute angemessen sind, um den noch lebenden NS-Opfern einen Lebensabend in Würde zu ermöglichen.

Auch Hubert Hüppe sprach sich entschieden dafür aus, in der Opferentschädigung keine Unterschiede mehr zu machen und forderte, entweder an der Philharmonie oder an einer anderen zentralen Stelle in Berlin eine würdige Erinnerungs- und Dokumentationsstätte für die Opfer von Zwangssterilisation und "Euthanasie" zu schaffen.

 

Im Anhang finden Sie die beiden Vorträgen vom Freitag Nachmittag.

 

 

 

 

Datum (freigegeben): 
1287561010
Datum (versendet): 
1287580948
Arbeitsfeld:
Eingestellt von:
Veröffentlicht am:
20.10.2010 

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